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Warten im Congo

Es ist eine eigene Schulung, das Warten im Congo.

Nach der Entscheidung nicht nach Lokoko zu fliegen und möglichst bald nach Europa zurückzukehren, bat ich Manuela sobald wie möglich nach Kinshasa zu kommen, damit wir gemeinsam zurückfliegen können.

Angedacht war der 31. März als Rückflug.

Manuela saß schon im Auto, um rechtzeitig in Mbuji-Maji für den Weiterflug anzukommen - aber ...

Natürlich hat man inzwischen gelernt, daß hinter diesen Verzögerungen immer etwas Wichtiges steckt. Im Fall von Manuela war es wohl äußerlich ein unsicheres Fahrzeug mit noch anderen unsicheren Begleiterscheinungen. So wurde das Auto gewechselt und sie fuhr heute morgen von Mama Jeanne begleitet los, kam aber zu spät, um das Flugzeug noch nach Kinshasa zu bekommen.

Das heißt nun normalerweise zwei weitere Tage warten ...

Warten: Worauf eigentlich genau?
Klar, ich möchte noch nach Ecuador und rechtzeitig nach Israel, sehne mich nach der Stille des Diepbachs ...

Aber eigentlich ist doch das Warten auf den Herrn bezogen: auf seine Wiederkunft hin zu leben ist doch das große Warten der Christen - wie die Braut auf ihren Bräutigam! Das Warten mit Gott gemeinsam durch die Zeit zu gehen in die Ewigkeit hinein. Ist ja bei mir vielleicht gar nicht mehr so lange hin - immerhin bin ich sechzig Jahre alt und das reisende Leben hat alle Chancen etwas früher beendet zu werden ...
Auf was warte ich eigentlich genau? Meinen Auftrag zu erfüllen! Das kann ich aber doch überall! Wenn ich mir die Umstände nicht selbst nach meiner Bequemlichkeit und meinen Wünschen ordne und ernsthaft Gottes Willen suche, dann sind es doch genau die Umstände in denen mich Gott haben will!

Auf was warte ich dann eigentlich?

Daß die Umstände sich nach meinen Erwartungen ändern? Aber das ist doch in Gottes Hand, wenn es gar nicht in meiner Macht liegt. Auf was also warten?

Nein, es ist besser zu realisieren! Ich bin hier in Kinshasa in der Procure St. Anne.

Apropos beten: hier ist eine Kapelle und jeden Tag kann ich beten und sogar etwas eingeschränkt mit Internet arbeiten! Jeden Tag kann ich in St. Anne zur Heiligen Messe gehen, welche himmlische Musik wäre das für Lokoko!

Und dann fällt mir etwas auf: wenn ich bete, merke ich, daß der Herr auf mich gewartet hat. So ist das also mit dem Warten! Gott erwartet mich also zum innigsten Herzensaustausch! Er wartet und er hat immer Zeit für mich!

So warten wir nun gemeinsam. Gott auf mich und ich darauf, zu ihm zu kommen und bei ihm in der Ewigkeit zu sein.

Inzwischen gilt es zu realisieren: niemals geht Zeit verloren im Gebet und im Dienst für den Herrn.
So wird das Warten im Congo zur Schule: jede Zeit, jeder Zeitpunkt und jeder Umstand liegt in Gottes Händen und ihn richtig zu nutzen wäre Weisheit.

Oh Elija, warum bist Du so schwer von Begriff?!
Am besten ich eile jetzt erst einmal zum Gebet. Der Herr wartet. Ich sollte ihn nicht unnötig warten lassen !
Manche warten auch irgendwo auf mich. Sie sollen lernen richtig zu warten. Etwas davon konnte ich vielleicht mit diesen Zeilen vermitteln.

Elija wartend und nicht wartend
aus dem Congo