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Frankreichreise und Diepbach

Jeanne d´Arc, Rouen

Wenn sich die Mission konkret als eine ständige Aufgabe erweist, ist es manchmal nicht leicht noch den zeitlichen Überblick über die Ereignisse zu behalten.
Nachdem versehentlich die vorherigen Eintragungen in "elijamisson" gelöscht wurden, starte ich jetzt noch einmal neu mit diesem geistlichen Tagebuch. In Zukunft werde ich jedoch eine Kopie der Texte woanders aufbewahren.

Nach den fruchtbaren Pilgerexerzitien im Heiligen Land flogen Pater Johannes, Marie Elisée, Lucia und ich nach Brüssel. Dort erwarteten uns Jennifer und Ruta, die aus Vilnius gekommen war.

Nach einer Nacht im Diepbachhaus brachen Ruta, Nicolai, M.-Elisée und ich nach Rouen auf, um am Todestag der hl. Jeanne d' Arc einige Stunden an jenem Platz zu verbringen, wo sie am 30. Mai 1431 verbrannt wurde. Das taten wir von 4.00 Uhr morgens bis zu ihrer Todesstunde um 9.00 Uhr.
Neben dem Anliegen einfach ihren Tod zu ehren, wollte ich an diesem Tag ein besonderes Jahr für Jeanne in unserer Gemeinschaft und für alle, die uns verbunden sind, beginnen lassen. Nach der Beendigung des Abbafilmes, soll nun ein Film über Jeanne entstehen und auch dieses Anliegen begleitete unsere Reise nach Frankreich.

Die Gebetsstunden in Rouen waren eher etwas herb und traurig. Es ist, als ob noch ein Schatten über diesem Tod der "Pucelle" liegt und es fiel mir wieder auf, daß die Stätte ihrer Verbrennung an ihrem Todestag kaum Beachtung findet. Ob das an den Umständen liegt, die zu diesem Tod führten? Zwar wurde der Prozeß gegen Jeanne nachträglich als nichtig und für unrecht erklärt und sie wird seit dem Beginn des 20. Jahrhundert offiziell als eine heilige Jungfrau in der Kirche verehrt, doch wirkt das Leben, der Tod, ihre Mission und ihre Bedeutung für Kirche und Welt noch nicht genügend erfaßt. Auch trage ich schon länger die Frage in mir, ob denn mit der Nichtigkeitserklärung des Prozesses von 1431 seitens der Kirche der Situation Genüge getan wurde oder ob es nicht eine deutlichere Geste braucht: sich bei Jeanne d' Arc zu entschuldigen für das, was ihr durch Vertreter der Kirche angetan wurde, namentlich von Bischof Cauchon und seinen Helfern.
Auch die Frage, warum Jeannes Tod bisher noch nicht nicht offiziell als ein Martyrium im Sinne der Erfüllung eines gottgegeben Sendung gewürdigt wird, ist für mich noch nicht geklärt.

Lisieux

Noch am 30. Mai fuhren wir weiter nach Lisieux und kamen am späteren Nachmittag dort an. Sogleich gingen wir in die Basilika, die zu Ehren der hl. Thérèse gebaut wurde und kamen gerade noch rechtzeitig zur Hl. Messe. Ich selbst wandte mich an Thérèse, um sie um Hilfe für den geplanten Film über Jeanne zu bitten. Schon mit dem Eintritt in die Basilika kamen mir erste Gedanken über den Film und auf welchem Weg man besonders jene Aspekte beleuchten könnte, welche die Sendung Jeannes ausmachen. Die anderen, namentlich Ruta und Lucia, waren einfach nur froh and diesem schönen und freundlichen Platz zu sein, der so anders als der Marktplatz in Rouen ist.
Die kleine Thérèse wird in der Kirche - einschliesslich ihrer Eltern - sehr geehrt, während man dies von Jeanne nicht in gleicher Weise sagen kann. So wußte ich mich bei der kleinen Karmelitin, die Jeanne so sehr geliebt hat und ihr zu Ehren ein Theaterstück verfaßt hat, mit meinem Anliegen sehr gut aufgehoben!
Nach der Heiligen Messe fanden wir dann unseren Schlafplatz ganz in der Nähe der Basilika. Die Frauen übernachteten im Auto, während Nicolai und ich auf einer Wiese schlafen konnten. Es war alles gut bereitet, regnete nicht und wir freuten uns über eine gefaßte Quelle mit Trinkwasser.

Am Abend unterhielten wir uns dann über den geplanten Film und eine erste Entscheidung fiel, die sich für mich schon innerlich vorbereitet hat. In dem längeren Zusammensein mit Marie-Elisée (Manuela) stellte ich fest, daß sie eine schauspielerische Begabung hat und sich gut in Situationen einfühlen kann. Das war schon bei dem Videoclip "Innocent Child" erkennbar. So meine ich, daß sie für die Rolle der Jeanne sehr geeignet sei! Für Lucia, der ich diese Rolle ursprünglich zugedacht hatte, habe ich nun den part der hl. Katharina vorgesehen. Als ich diese Gedanken in den Raum stellte freute ich mich über die Zustimmung von Lucia, die sich auch den part der Hl. Katharina mehr für sich vorstellen konnte. Dann kamen noch einige Überlegung hinsichtlich der Rolle von Nicolai als Erzengel Michael hinzu und daß gerade Lucia und Nicolai manche Szenen als Gesang gestalten können. Die geistliche Dimension des Geschehens mit Jeanne läßt sich wahrscheinlich gut in den Dialogen zwischen der himmlischen Kirche (Hl. Katharina und Hl. Michael) gestalten.
Mit diesen ersten Perspektiven verbrachten wir dann eine ruhige Nacht. In das freundliche Bild welches Lisieux bisher für uns abgegeben hatte paßte dann gut, daß ich morgens - als ich mein Gebet am Schlafplatz verrichtete - von einer Polizistin freundlich angesprochen wurde, ob denn alles in Ordnung sei. Als ich es bejahte grüßte sie und der Wagen fuhr weiter!

Am nächsten Tag, den 31. Mai, waren Elisée und ich noch so erschöpft von den vergangenen Reisestrapazen, daß wir uns ausruhten, während Ruta mit Nicolai und Lucia den Karmel besuchten, sowie das Haus in dem Thérèse mit ihrem Vater vor dem Entritt in den Karmel gelebt hatte.

Am Nachmittag trafen wir uns dann alles wieder in der Basilika. M.-Elisée und ich waren etwas früher da und nahmen an einer Hl. Messe für mexikanische Pilger teil. Nach der hl. Messe bat ich Elisée doch das Magnificat auf hebräisch zu singen. Der zelebrierende Priester hörte dies und sprach Ruta an, die inzwischen mit den beiden Youngsters zurückkam. Er war ein Priester der Johannesgemeinschaft, der diese Gruppe betreute und er bat uns noch einmal in der großen Basilka für seine Pilger zu singen.

Kathedrale St. Peter in Lisieux

Die anderen Geschwister hatten noch nicht an der Hl. Messe teilgenommen und so beschlossen wir in die Kathedrale zu gehen. Es war das kirchliche Fest der Visitation und für uns stand noch die monatliche Apokalypse an, die wir mit dem Anliegen des geplanten Filmes verbinden wollten.
Zunächst grüßte uns in der Kathedrale die Statue der hl. Jeanne, die gleich links am Eingang zu sehen war. Dann gingen wir zur Kapelle innerhalb des riesigen Kathedrale, wo die Hl. Messe stattfinden sollte. Ich wußte, daß Bischof Cauchon, der nach dem Tod von Jeanne für ca. 10 Jahre Bischof von Lisieux war, dort begraben lag. Man hatte das Grab 1932 entdeckt und der Sakristan klärte uns auf, daß er diese Kapelle wohl auch als eine Art Bußakt für seine Schuld am Tode Jeannes bauen ließ. Nach seinem Tod ließ er sich darin begraben, wollte dies aber verborgen halten. Die kleine Thérèse hatte in dieser Kapelle viele Jahre gebetet und täglich die Hl. Messe mitgefeiert, ohne zu wissen, daß Bischof Cauchon darin begraben war. Der Hochaltar des Doms war übrigens von Thérèses Vater gestiftet worden.

Da wir einen so guten Chor mit den drei Gerstnerkinder hatten bot ich an, daß wir die Heilige Messe gesanglich begleiten. Der Priester und auch die anwesenden Gläubigen freuten sich sehr darüber. Anschließend blieben wir noch ein wenig in der Kathedrale und wollten die Kirche eigentlich schon verlassen, kamen dann aber ins Gespräch mit dem Sakristan, der aus Kerala in Indien stammte. Vorher sprach ich noch mit einer Schwester der Gemeinschaft der Seigpreisungen, die mir einige Sorgen ihrer Gemeinschaft anvertraute.

Ich weiß nicht mehr genau wie es dazu kam, daß ich mit dem Sakristan über die Karmelerfahrung im Heilgen Land mit den ecuadorianischen Pilgern sprach. Jedenfalls fragte M.-Elisée den Sakristan, ob denn das mit der Magie hier in Frankreich auch ein Problem sei. Der Inder nickte und erzählte von offensichtlichen Sakrilegien in der Kathedrale und besonders wies er auf einen sehr befremdlichen Befund in der Kapelle Cauchons hin, der wohl auf die Praxis einer Schwarzen Messe oder ähnliches schließen ließ. Ich fragte daraufhin, ob der Bischof dies wüßte. Er bejahte, aber auf genauere Nachfrage von mir stellte sich heraus, daß wohl ein offizieller Sühneakt nicht geschehen sei. Jetzt wurde mir klar, was zu tun war.

Ich fragte, ob wir die Wiederkunftsliturgie hier feiern könnte auch als einen Sühneakt für die Sakrilegien, die in dieser Kirche geschahen. Der Sakristan willigte sofort ein und wir hatten nun die ganze Kathedrale zur Verfügung.

Im Einleitungsgebet zur Wiederkunftslitugie (gesungene Apokalypse) bat ich den Herrn um die Reinigung und Entsühnung der Kathedrale und nannte alle anderen Anliegen, die sich mit der Widerkunftsliturgie verbanden.
Als wir die Heilige Messe durch den Gesang begleiten wollten, hatte mich Lucia gefragt, ob wir dies nicht auch für Bischof Cauchon machen könnten. Ich wies Lucia zunächst ab und sagte, daß wir es einfach zur Ehre Gottes tun sollten, ich wüßte nicht in welchem Zustand sich der verstorbene Bischof vor Gott befinde. Jetzt aber nahm ich doch das Anliegen auf und bat den Herrn, wenn dies dem verstorbenen Bischof dienen könne, solle es geschehen.

Die Wiederkunfstliturgie nahm ihren Lauf. Während einiger Kapitel, der von Nicolai und Lucia gesungen wurden, rezitierte ich mit Elisée an einem Altar, welcher der Muttergottes geweiht war, den Hymnus Akathistos. Dort war laut Bericht des Küsters offensichtlich auch ein Sakrileg begangen worden. Zusätzlich ging ich mit einer brennenden Kerze durch die ganze Kathedrale und betete an jeden Altar um die Reinigung der Kirche.
Dann kehrte ich wieder zu den Sängern der Wiederkunftsliturgie zurück und die Wiederkunfstliturgie wurde zu Ende geführt. Kurz vor dem Ende folgte ich einem inneren Impuls, kniete nieder und machte ein Kreuz über der Stelle des Grabes von Bischof Cauchon.
In diesem Augenblick wußte ich, daß der Herr etwas Entscheidendes getan hatte.(*)

Das abschließende vollmächtige Gebet verwehrte allen bösen Geistern und Menschen, die von ihnen getrieben und benutzt werden, ein erneutes Sakrileg dieser Kirche durchzuführen und verbindet sich mit der Bitte, um Umkehr für die menschlichen Täter!

Coutance und Marié des Vallées

Die nächste Station führte uns nach Coutance , wo Marie des Vallées begraben liegt. Diese Frau. welche von dem hl. Johannes Eudes, dem Apostel der Normandie geistlich begleitet wurde (17. Jhrdt), war eine große Mystikerin. Besonders kämpfte sie gegen die magischen Umtriebe der damaligen Zeit an. In ihr war besonders der "Geist der Stärke" wirksam. Wir brachten in Erfahrung, daß bevor durch die hl. Maria Margaretha Alacoque die Herz-Jesu- Verehrung in die Kirche eingeführt wurde, bereits Johannes Eudes die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und Mariens öffentlich praktizierte. Man nimmt an, daß diese Erkenntnis aus der Beziehung zu Marie des Vallées erwachsen ist.

Ich betete nach vorausgegangenen Gesprächen besonders für die innere Stärkung all derjenigen, die mit mir auf dieser intensiven Reise waren und wir kehrten glücklich ins Diepbach nach Belgien zurück, nicht ohne dem Herrn für seine große Gnade zu danken.

Haus Diepbach

Ruta flog dann am Sonntag nach Vilnius zurück, Nicolai, Lucia, Pater Johannes, Clemens und ich vebrachten dann einige intensive Gebetstage im Haus Diepbach.
Am Donnerstag, den 10. Juni brach ich dann mit den drei Jugendlichen Richtung Haus Samaria auf, während Pater Johannes und Clemens noch im Diepbach blieben!

Dort wartet eine offene Frage auf ihre Wegweisung und wir begannen am Samstag mit einer Novene. Näheres folgt!

Elija im Haus Samaria, Deutschland