Dreißig Jahre Agnus Dei
Natürlich kann der erste Dank für diese dreißig Jahre nur Gott gelten, der in seiner Weisheit wollte, daß die Gemeinschaft Agnus Dei ins Leben gerufen wurde. Immer wenn ich gefragt werde, wer die Gemeinschaft Agnus Dei gegründet hat, möchte ich antworten: „Es war der Heilige Geist!“ Und das ist wahr: Er ist es doch, der uns zu Christus führt; er ist es, der uns das Licht des Glaubens schenkt, er ist es, der uns zur Heiligung führt und sie in uns bewirkt; er ist es, der die Herzen erleuchtet und uns befähigt das Evangelium zu verkünden und uns diesen Weg des Lammes eröffnet!
Es bleibt ein Geheimnis Gottes, warum er mich ausgesucht hat diesem Werk als Erstberufener zu dienen, und ich denke auch nicht darüber nach. Wichtiger ist es die Gnade, welche er schenkt, tiefer zu erfassen und die gegebene Aufgabe zu erfüllen. Dabei bleibt man - bei allen menschlichen Anstrengungen - immer "zweiter Sieger" und auf die Hilfe dieses Heiligen Geistes zutiefst angewiesen. Aber man bleibt doch „Sieger“, denn in allen Niederlagen weiß Gott, wie er alle Umstände in seinen Plan des Heils einfügt.
Eigentlich möchte unser Vater ja nur unser vertrauensvolles Ja und das habe ich versucht ihm in diesen Jahren der Nachfolge zu geben.
Dann schaue ich auf die Mitglieder dieser Gemeinschaft, die so beständig diesen Weg gehen: manche schon viele Jahre und Elisabeth seit Anfang an! Sie sind meine "erste Liebe" und haben sich in so vielen Situationen als treue Jünger des Herrn Jesus bewährt. Ihnen allen gilt mein großer Dank, denn unser Pfad der Nachfolge Christi ist kein sicherer nach menschlichen Maßstäben gemessen. Es heißt wirklich alles zu verlassen, um Christi nachzufolgen und dies nicht nur in materieller Hinsicht! Wenn die Kirche auch die Zusage Jesu hat, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, heißt dies nicht, daß nicht schwere Kämpfe kommen können! Und wenn eine Gemeinschaft - so gering sie an Zahl sein mag - von Gott eine Teilnahme an einem prophetischen Auftrag anvertraut bekommt, dann werden ihr ähnliche Dinge geschehen, wie es für die Propheten und Jünger Jesu galt. Aber all diese Kämpfe und Auseinandersetzungen - seien sie innen oder außen- führen nur dazu, sich noch mehr auf Gott und seine Liebe zu verlassen. Dann steht das Haus sicher und wenn Stürme toben bleibt es stehen!
Gott hat seine kleine Schar in verschiedene Länder geführt, so daß es Gründungen in Europa, Asien, Afrika und Amerika gibt. Eine besondere Gnade ist es, Gott im Heiligen Land zu dienen und insgesamt so viele apostolische Aufgaben anvertraut zu bekommen.
Aus dieser "ersten Liebe" ist ein weiteres Werk hervorgegangen, man könnte sagen ein "Kind dieser Liebe": es ist die Jemaelfamilie. Besonders stark ist sie vertreten im Congo, wo uns durch die Waisenkinder auf übernatürliche und natürliche Weise bereits mehr als sechzig Personen zugewachsen sind.
Aber auch in Ecuador gibt es einen Jemaelkreis, hinzu kommt Ruta aus Litauen und im litauischen Kontext weitere Personen. In Deutschland sind es namentlich Manuela, Clemens und Johannes, die fest zur Jemaelfamilie im engeren Sinn gehören, aber es gibt noch mehr Personen im Umfeld, die sich wohl gerne noch bewußter in einer solchen geistlichen Familie eingliedern würden.
In Ecuador wurde mir klar, daß es Zeit wird, den Jemaelweg in eine Regel zu fassen und in eine gewisse Verbindlichkeit überzuführen. Die Jugendlichen in Mbunda (Kongo) verlangten danach, aber auch für die anderen Mitglieder und Interessenten wäre dies hilfreich. Auch der Weg der Gemeinschaft Agnus Dei sollte, wie Samuel nochmals erbat, schriftlich erfaßt werden, damit für die jetzigen und zukünftigen Mitglieder neben der „oralen Tradition“ und dem sichtbaren Beispiel, ebenfalls schriftliche Unterlagen vorhanden sind.
All dies erfordert Arbeit und Zeit und ich habe aufgehört mir vorzustellen, einmal eine lange Periode dafür zur Verfügung zu haben. Das wird angesichts der allgemeinen schwierigen Lage des Glaubens in dieser Welt kaum mehr möglich sein. Vielleicht gelingt es aber in überschaubaren Abschnitten diese Dinge voranzubringen, so wie auch das apostolische Werk des Filmes „Abba and the Grace of the Holy Land“ seit dem Sommer 2009 entstanden ist.
Für all dies erbitte ich das Gebet der Gemeinschaft.
Noch eines liegt mir auf dem Herzen.
Die gegenwärtigen Angriffe auf unsere Kirche zeigen, wie sich die Dinge, die z.B. in „Balta Lelija“ angesprochen werden, immer stärker entfalten. Sünden und Verfehlungen von einzelnen geistlichen Personen werden zu einem Generalangriff auf die Kirche und ihrer Glaubwürdigkeit mißbraucht! Im Zentrum der Angriffe stehen der Papst selbst und alle jene, die zu den Säulen der Kirche gezählt werden können. Der „Rauch des Satans“, der laut Papst Paul VI. in die Kirche eingedrungen ist, schwächt die Kirche leider von innen – nicht nur durch die Sünden ihrer Kinder - sondern auch durch eine mangelnde geistliche Wachsamkeit mancher Verantwortungsträger gegenüber dem "Geist dieser Welt".
In dieser Zeit merke ich, wie Gott mich persönlich ruft noch mehr Verantwortung für „das Ganze“ zu übernehmen. So zähle ich auf die Unterstützung der Gemeinschaft Agnus Dei und der Jemaelfamilie, der Kirche in ihrer gegenwärtigen Not auf verschiedenen Wegen beizustehen. Ganz wichtig wird sein, die prophetische Dimension der Berufung ganz zu erfüllen, denn von ihr her wird der Kirche wichtige Hilfe zuwachsen können. Das erfordert eine große Hörbereitschaft - sicher besonders von meiner Seite - und eine Beweglichkeit auf den erkannten Willen Gottes einzugehen. Nicht zuletzt deshalb hat uns Gott einen großen Freiraum in unserem Wirken geschenkt! Nutzen wir ihn ganz im Geiste des Herrn und in der Treue zur Kirche!
All dies schreibe ich in Nazareth nieder und freue mich, diesen besonderen Tag hier an dem Ort zu verbringen wo die Jungfrau Maria ungeteilt „Ja“ zum Willen Gottes gesagt hat. So werde ich morgen zusammen mit den Mitgliedern, die zur Pilgergruppe gehören und den Geschwistern der Jemaelfamilie unser Ja zum konkreten Willen Gottes mit unseren Gründungen und der Mission sprechen, die der Herr uns in seiner Güte anvertraut hat. Möge dann der Heilige Geist auf die Fürsprache der Gottesmutter noch stärker in uns wirken können und wir so Dank sagen unserem himmlischen Vater, seinem geliebten Sohn und ihm selbst, dem so liebenswürdigen Tröster!
Elija aus Nazareth am Vorabend des 24. April 2010
