Der Congo und das Bier - eine etwas heitere Betrac
Es war am Frühstückstisch in der Procure Ste. Anne. Ein Franzose, eine Französin, eine Belgierin und ein Deutscher saßen zusammen. Das Gespräch kam auf die leidige Transportsituation in diesem Land und alle waren sich einig, daß es eigentlich absolut unmöglich hier ist. Plötzlich sagte jemand, es war wohl die Belgierin, Bier könnte man jedoch fast überall im Congo finden.
Mehrere "Erleuchtungen" und "Ahaerlebnisse" fanden gleichzeitig statt. Wenn also das Bier durch Transport (fast) überall hinkommt (nach Lokoko nur, wenn Dr. Richard kommt!), dann müßten doch auch Lebensmittel und andere Güter ähnlich gut transportiert werden können! Logisch, einleuchtend und einfach wahr! Also liegt es am Willen und der Wille für das Bier ist da, es wird auch gekauft und getrunken, und natürlich auch das Geschäft ist wichtig!
Der Congo und das Bier: sicher hat die Bierliebe der Belgier hier Einzug gehalten. Und ich erinnere mich an die Kriegszeiten. Auch da gab es Bier! "Tu prends un verre avec moi?" fragte mich Père Timothée damals öfter und da das Bier billger war als das Wasser, stimmte ich immer freudig zu. Ein kaltes SKOL - für diese Marke hatte ich mich entschieden, von der anderen Marke Primus bekam ich Kopfweh: das war etwas hier, besonders wenn es eiskalt angeboten wurde!
Der Congo und das Bier: aus eigener Wahrnehmung kann ich sagen, daß es etwas Besonders an sich hat. Was ist denn anders? In Deutschland und anderen Ländern trinke ich zwar gerne auch einmal ein Bier, aber nie mit dem Genuß wie hier und es ist kein Thema für mich. Nicht als ob es vom Geschmack im Congo besser wäre, aber hier ist es tatsächlich ein Thema für mich.
Bei Dr. Richard in Mbuji-Maji angekommen nutzen wir beide die Wiedersehensfreude für ein "was wohl?" - ein kaltes SKOL und Richard macht sogar eine Ausnahme von der Fastenregelzeit!
Als er stolz sein neues Auto betrachtet schmunzelt er und sagt: "Wenn wir nach Lokoko fahren bringen wir in einer Kühltruhe eisgekühltes Bier mit - für Maurus!". Der arme Maurus ist bereits offensichtlich als Alkoholtrinker verschrieen - auch in Mbunda! Unbedingt sollte ich für ihn einen ganzen Bidon selbstgebrannten Schnaps (Whisky Congo) mitnehmen. Dabei hat er das Alkohltrinken erst in der asketischen Gemeinschaft Agnus Dei kennengelernt und wie wenig da getrunken wird weiß jeder, der bei uns lebt. So schnell geht es also mit dem "schlechten Ruf" - oder solllte sich Maurus doch heimlich auf den regelmäßigen Genuß von Palmwein spezialisiert haben aus "Solidarität" mit den Pygmäen? Konnte es diesmal leider nicht überprüfen!
Aber zurück zum Bier und dem Congo!
Natürlich gab es SKOL zum Empfang in Mbunda und danach - nur leider nicht so eisgekühlt!
Aber auch hier in der Procura lauert das Bier!!!
Diesmal eiskalt und in verschiedenen Marken. Da gibt es eine, die ich noch lieber mag: Doppelmunic, ein braunes Bier. Allerdings kann ich nach einer Flasche nicht mehr so ganz gerade gehen. Habe es einmal bei einer Einladung in Mbuji-Maji erlebt und nochmal hier in Kinshasa nach getestet. Es verhält sich tatsächlich so! Es schmeckt, ist aber zu stark!
Also doch besser Skol!
Aber es ist doch Fastenzeit und Wasser ist nicht mehr teurer als Bier. Außerdem ist es in der Gemeinschaft nicht so üblich einfach so Bier zu trinken. Das steht mir alles vor Augen und Doppelmunic ist auch definitiv gestrichen! Und das Bier ist gar nicht billig!
Aber warum lockt mich das Bier trotzdem so an, daß ich abends hier mehr oder weniger an der hiesigen Bar vorbei schleiche, in Diskussionen mit mir komme, ob nicht doch??? - mit meinen himmlischen Vater rede, ob nicht Ausnahmeregeln gegeben sind, ich es auch erst nach allen Gebeten trinke, um nicht zu müde zu sein (was mir natürlich schon passiert ist)!
Dann habe ich auf einmal verstanden, warum ich so gerne im Congo Bier trinke und es den anderen wahrscheinlich auch so geht.
DAS BIER LÖSCHT DEN DURST!!!!
Und es ist immer heiß im Congo, besonders in Kinshasa. Du schwitzt, ohne etwas zu tun! Du hast immer Durst und Wasser hilft nicht immer!
(kaltes) BIER LÖSCHT DEN DURST - der Körper (und die Seele?) freuen sich nach dem ständigen Schwitzen etwas Kühles zu sich zu nehmen!
Das stimmt und so geht es wohl auch den anderen. Deshalb kommt das Bier überall hin: weil die Menschen Durst haben und natürlich auch, weil es schmeckt.
Deshalb habe ich im Congo Durst nach Bier mit dem Nachteil, daß es mich nicht dünner macht und ..
Gut mit dieser Erkenntnis kann ich leben und eben an der hiesigen Bar vorbeigehen, mich statt mit einem kühlen Bier mit lauwarmen Wasser zu begnügen, es sei denn ....Aber nicht zu oft! Ehrlich!
Elija aus Kinshasa
