“DEN STAB DES GEWALTTÄTIGEN ZERBRECHEN”
Hinführung:
Ecuador ist wahrlich ein schönes Land mit seinen herzenswarmen Menschen.
Vieles kann man dort entdecken, die Schönheiten der Natur nehmen kein Ende. Aber auch schwierige äußere Lebensumstände erfordern die ganze Kraft der Menschen.
Die Ecuatorianer sind zumeist ein Mischvolk aus der früheren indigenden Bevölkerung mit den spanischen Kolonisatoren und ihren Nachkommen, sowie Afro-Ecuatorianern.
Es gibt jedoch auch noch rein indigene Stämme und deren Anteil ist für südamerikanische Verhältnisse relativ hoch.
Ecuador ist im Weltmaßstab gesehen ein armes Land und hat eine demokratische Regierung. Allerdings wirken die Regierungen nicht sehr stabil und relativ viele Regierungswechsel finden statt, ohne dass die beklagenswerte soziale Situation eine wesentliche Besserung erfahren hat. So verdienen die meisten Menschen grundsätzlich zu wenig, um ihre Familien angemessen zu ernähren und die Berufsaussichten von Studenten und Arbeitern sind oft düster. Diese Situation unterstützt auch die Korruption, welche eine Art "rechtlose Situation" schafft.
Die meisten Menschen in Ecuador sind katholisch und die Kirche hat eine relativ starke Stellung in der Bevölkerung. Doch oft ist die 'katholische Identitaet” nicht sehr tiefgehend, so daß das Befolgen der Gebote Gottes als sittliche Forderung ausgeblendet wird und daher grosse Verwirrung stiftet. Diese kann man besonders in den Beziehungen sehen. Nicht sehr häufig findet man stabile Ehen und Familien vor, dafür aber umso mehr ungeordnete Beziehungen, welche auf die Dauer eine grosse Instabilität innerhalb der Bevölkerung hervorrufen und auch sittliche Verwahllosungstendenzen fördern. Nicht unschuldig daran ist die Armut und der Mangel an einer gesunden Entwicklung des Landes, denn viele Ehepartner sehen sich gezwungen ihr Geld im Ausland zu verdienen, was die Beziehungen auf Dauer sehr belasten kann.
Leider entwickelt sich die Kriminalität im Lande immer dramatischer. Dabei handelt es sich nicht nur um leichtere Diebstähle auf die man immer und überall gefasst sein muss, sondern auch um Raubüberfälle mit Körperverletzungen, um Drogenhandel, Prostitution bis hin zu Morden durch “Berufskiller.” Das Leben scheint in diesem südamerikanischen Land nicht viel zu zählen und manche der zunehmend negativen Entwicklungen werden wohl auch durch Kriminelle des benachbarten Kolumbien verstärkt.
Nicht genug beachtet wird - möglicherweise auch seitens der Kirche - die zunehmenden satanisch orientierten Gruppen, die sich dem Bösen verschreiben und zu einer grossen Plage in diesem Land zu werden drohen. In diesen Gruppierungen schreckt man auch nicht vor (Ritual-)Morden zurück und gerade Jugendliche scheinen für diese Gruppen empfänglich zu sein. Es wäre nachzudenken, warum solche destruktiven Vereinigungen Zulauf finden und welchen Boden sie vorfinden. Eine Spur führt sicher zu den noch nicht wirklich überwundenen magischen Praktiken, welche nicht wenige Ecuatorianer unbedenklich akzeptieren oder in ihnen gar Heilung suchen. Es ist ihnen wohl nicht bewusst, daß sie auch bei äusserlich harmlos scheinenden magischen Praktiken dem Teufel die Türe offen halten, seine Absichten mit den Menschen im Verborgenen zu verwirklichen.
Hinzu kommt noch, dass die Polizei nicht ausreichend ausgerüstet und geschult wirkt gegen diese kriminelle und satanische Plage mit entsprechenden Mitteln vorzugehen. Wegen der starken Korruption vor allem im Bereich der Rechtsprechung gibt es keinerlei Rechtssicherheit, was manchmal zu erschreckenden Massnahmen der Selbstjustiz Anlass gibt.
Die Folge ist ein verunsicherte Bevölkerung und die Zunahme dreister Verbrechen, als ob die Täter keine Vergeltung zu befürchten hätten.
Sto. Domingo de las Tsáchilas ist eine jener grösseren Städte Ecuadors in der das Unwesen der Kriminalität großen Schrecken verbreitet. Die Bevölkerung wird immer mehr in Angst versetzt und es sieht so aus, als könne sich niemand dieser Welle der Gewalt wirklich entgegenstellen. Mit der Angst kann die Lähmung kommen und jene, welche die Gewalt ausüben, könnten sich gar noch gestärkt fühlen.
Am Rande von Sto. Domingo lebt die Gemeinschaft Agnus Dei ein kontemplatives-apostolisches Leben in unmittelbarer Nachbarschaft eines Karmelitenklosters und des Priesterseminars der Diözese. Zwölf Jahre lang hat diese Gemeinschaft ohne irgendeinen äußeren Schutz und Absicherung in dieser kriminellen Umgebung leben dürfen und blieb auf ihrem Gelände unbehelligt.
Das ist seit dem Jahre 2009 anders.
Gott hat zugelassen, daß innerhalb weniger Monate es mehrere Raubüberfälle mit z.T. gewalttätigen Aktionen gab. Die Schlimmste unter ihnen war das Zusammenschlagen eines jungen Wächters, welchen der Bischof zum Schutz der Gemeinschaft bestellt hatte. Aussagen des Wächters weisen sogar darauf hin, daß es ein Mordversuch gewesen sein könnte.
Diese für die Gemeinschaft schwierige Situation rief mich vorzeitig nach Ecuador, um mit den Geschwistern der Kommunität die Situation zu bedenken und zu bewältigen.
Nach Ablauf einiger Tage, welche – Gott sei Dank – in den Nächten ruhig geblieben sind, spürte ich den inneren Impuls dieser Gewalttätigkeit in der Kraft Gottes stärker entgegenzutreten. Der Gedanke an eine “prophetische Initiative” begann in mir Raum zu finden – eine Art Initiative, wie wir sie zur Ehre Gottes schon einige Male mit grosser Fruchtbarkeit ausführen durften. Zuletzt war dies im Nachbarland Kolumbien, wo diese Initiative auf der geistlichen Ebene mithalf, die “Räder des Krieges” zum Halt zu bringen.
Durch einen Text von Jesaja wurde das Thema dieser Intiative passend vorgegeben.
“Den Stab des Gewalttätigen zerbrechen”
Am 6. Dezember 2010 erfuhr dieser innere Impuls durch die Ermordung des Franzikanerpaters Miroslav Karczewski im Konvent seines Ordens in Sto. Domingo eine Dynamik. Es wurde deutlich, daß die Gewalt auch nicht vor Geistlichen Halt macht, welche an und für sich in diesem Land Ansehen geniessen.
In diesen Tagen brachte ich nun dieses Anliegen immer wieder vor Gott, denn nichts sollte man tun, ohne die Weisung des Herrn abzuwarten und sicher zu sein in seinem Auftrag zu handeln. Diese innere Sicherheit wuchs immer mehr und in einem Gespräch mit einem Priester bestätigte sich, daß eine solche Aktion notwendig ist.
Die einzelnen Schritte wird Gott zeigen!
Elija aus Ecuador
